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Interview mit Burkard Meyer: Wohnüberbauung SeeburgPark in Luzern

IMG_0008_bearbeitetIhr Bau für die Wohnüberbauung SeeburgPark, Luzern hat von Ihnen eine Fassade mit Spaltplatten erhalten. Wo sehen Sie die Vorteile einer solchen Fassade und wie sind Sie auf das Material Keramik gekommen?

Die Fassade für die Wohnüberbauung SeeburgPark ist einerseits mit vorgehängten keramischen Platten, andererseits mit Metallstäben aus Aluminium verkleidet.

Der Hauptgrund für die Wahl von Keramik in der Fassade war, dass wir die Verkleidung in ihrer Form, Farbe und Oberfläche beeinflussen konnten, um den Gebäuden ihr unverwechselbares Erscheinungsbild zu geben.

Durch den leichten Glanz der Glasur und die eigens für dieses Projekt entwickelte Wellenform, erhält die Fassade einen edlen Charakter. Ein wichtiges Argument für Keramik war auch, dass sich die Verkleidung je nach Lichtsituation anders präsentiert. Einerseits wird dies durch die Oberflächenbehandlung und die Tiefenwirkung der keramischen Platten erreicht, andrerseits wird durch die zwischen den grossformatigen Fenstern montierten farbigen Fassadenplatten, die durch vorgehängte vertikale Metallstäbe überlagert werden, eine zusätzliche Spannung erzeugt. Durch die gestalterische Einflussnahme der Keramik konnte eine formale und farbliche Nähe zu den bronzefarbenen Metallstäben und den Geländern erreicht werden, so dass die Siedlung ein monochromes äusseres Erscheinungsbild erhält.

Ein wichtiger Grund für den Entscheid keramische Platten zu verwenden, war sicherlich auch, dass diese sowohl witterungsbeständig sind, als auch als vorgehängtes System verwendet werden können. Dieses Fassadenprinzip ist konstruktiv unproblematisch, langlebig und erzeugt wenig Aufwand für den Unterhalt.

Erfüllt die Keramik die Ansprüche, die Sie bei Beginn der Bauaufgabe formuliert haben?

Ja. Die Keramikplatten haben unsere formalen, ästhetischen und technischen Ansprüche erfüllt. Die Fassaden treten in ihrem Glanz, ihrer Form und Struktur als Ganzes in Erscheinung und lassen den Betrachter über die eigentliche Materialisierung zunächst im Unklaren.

Wie haben Sie für den geeigneten Hersteller für Ihr Projekt gefunden? Wieso fiel Ihre Wahl dabei schließlich auf einen spanischen Hersteller?

Der spanische Hersteller zeigte grosses Interesse unsere Ideen und Vorstellungen aufzunehmen und an der Entwicklung eines neuen Profils mitzuarbeiten. Um als Architekt ein Produkt entwickeln zu können, welches den eigenen Vorstellungen entspricht, braucht es das technische Wissen und die Unterstützung eines Produzenten. Dies haben wir von „Tempio“ erhalten.

Wie verlief die Zusammenarbeit, immerhin ist der Weg Schweiz – Spanien kein Katzensprung? Werden Sie bei neuen Projekten auf der Suche nach Kooperationspartnern wieder in Richtung Spanien schauen?

In der Kommunikation gab es keine Schwierigkeiten. Wir wurden vom Importeur und dem Fassadenunternehmer unterstützt. Die Zusammenarbeit war vorbildlich. Beim Erstellen und Liefern von Musterplatten war natürlich der Faktor Zeit für den Transportweg zu berücksichtigen.

Spielt Keramik auch in anderen Ihrer Projekten eine Rolle? Bei welchen Anforderungen greifen Sie auf das Material zurück?

Durch die Erfahrungen die wir gesammelt haben, ist das Material Keramik bei unseren Projekten oft ein Thema. Für uns stellt sich dabei die Frage: Welchen Ausdruck möchten wir mit einem Gebäude erzielen? Ob dann die Wahl schliesslich auf Keramik fällt, hängt von diesem und von weiteren Faktoren ab.

Vor einem allgemeinen Hintergrund gesprochen, wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit zwischen Fliesenindustrie und Architektenschaft? Berücksichtigt die Industrie die speziellen Anforderungen der Architekten zur Genüge? Würden Sie sich hier einen produktiven Austausch wünschen und wie könnte der angestoßen werden?

Grundsätzlich fehlen für uns als planende und bauende Architekten oft die Ansprechpartner, welche gewillt sind, sich für eine Idee begeistern zu lassen und uns zu unterstützen in der Entwicklungsarbeit eines Produktes.

In diesem Sinn würde mir also einen engeren Austausch wünschen. Dieser müsste umfassend sein, von gestalterischen Aspekten bis zur konstruktiven Umsetzung.

In Nordeuropa ist Keramik als Baumaterial nur wenig verbreitet. Welche Voraussetzungen müssten Hersteller oder das Material selbst erfüllen, um Keramik zu einer gängigen Wahl in der Architektur zu machen?

Was in der Schweiz sicherlich fehlt, sind genügend Langzeiterfahrungen mit diesem Material. Ich könnte mir Vorstellen, dass die Keramikindustrie anhand von bestehenden, ausgewählten Beispielen Erkenntnisse in Bezug auf die Gestaltung und die Konstruktion dokumentiert und als eine Art „Fachbuch“ etabliert.

Keramik steht für mich nicht nur als eigentliches Produkt in Konkurrenz zu anderen Materialien, sondern ist immer als Teil einer ganzen Idee für die architektonische Qualität eines Gebäudes und deren Bezug zum Ort zu verstehen.

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